Kindheitserinnerung von unserem Mitarbeiter Shree Raj Nepali

Kindheitserinnerung von unserem Mitarbeiter Shree Raj Nepali

 

Meine ganze Kindheit über habe ich jeden Morgen meinen Vater zur Arbeit begleitet. Ich habe seine Nähmaschine und seine Tasche getragen, wenn er die Dorfbewohner zu Hause besuchte. Ich erinnere mich, dass ich immer die Knöpfe und Nadeln sorgfältig sortiert habe.
Die Dorfbewohner gaben uns eine Matte vorm Haus zum Sitzen. Während mein Vater Blusen, Hosen und gelegentliche Kissen nähte, habe ich zugeschaut.

 

Vor jedem Haus ermahnte mich mein Vater, kein Wort zu sagen, ich sollte nur still sitzen und ihm seine Nadeln und Knöpfe reichen.

 

Immer bekamen wir was zu essen von den Hausbewohnern. Ich musste danach immer gründlich die Teller säubern und abtrocknen, denn da wir Unberührbare waren, hätten die Dorfbewohner sie sonst nicht mehr angefasst. Mein Vater verbat mir, dass ich die Häuser betrete oder mit irgendjemand spreche, das war uns „Unreinen“ verboten. Mir war früh klar, was es heißt, zur Kaste der Unberührbaren zu gehören. Wir waren schrecklich arm und einsam.  
Ich gehorchte meinem Vater immer, trotzdem versuchte ich manchmal in die Häuser zu schauen. Ich beneidete die Dorfbewohner um ihre einfachen Töpfe und Teller. Wir besaßen kaum was zuhause, manchmal bekamen wir etwas Weizen, Mais oder Reis als Entlohnung. Ich war froh, an der Seite meines Vaters zu sein. Jeden Abend putze ich seine Nähmaschine und überprüfte, ob alles da ist für den nächsten Tag.

 

Über die Jahre lernte ich immer mehr von meinem Vater. Heute bin ich sehr froh, dass er mir das Nähen beigebracht hat. Von Jahr zu Jahr ging es mir besser.

 

Ich hatte Glück.  

 

Jetzt arbeite ich seit drei Jahren für  Nepalaya Craft in Kathmandu und werde nicht mehr wie ein Aussätziger behandelt und habe ein gutes und freies Leben

 

 

 

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